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Czech Enduro Series: Jested

Sonntagmorgen, 8 Uhr. Ich sitze in meinem Camper auf dem Parkplatz am Fuß des Jested. Draußen hat es 4 Grad Celsius, es ist neblig und grau. Als ich Samstagabend ankam, waren es ganze 1 Grad. Der Schneeregen hatte bereits aufgehört, doch in den Bäumen war noch ein weißer Schleier zu erkennen. Und nun wird gleich das erste Rennen der Czech Enduro Series 2019 beginnen.

Als Teilnehmer konnte man zwischen den Kategorien Race und Hobby wählen, wobei die Hobby-Klasse etwas einfacherer Strecken versprach. Natürlich habe ich mich für die Race-Kategorie angemeldet.

Der Beginn ist für neun Uhr angesetzt, also hole ich um halb neun im Ticketoffice meine Startnummer, den Transponder und die Liftkarte ab. Dort finde ich einen Aushang mit den Startgruppen: Ich bin erst um elf dran. Also zurück in den Camper und die Standheizung an.

Obwohl ich bisher recht entspannt bin, macht sich nun eine gewisse Aufregung in der Magengegend bemerkbar. Ich war vor ein paar Wochen schon einmal im Bikepark Jested und die Erinnerung an die teilweise recht steilen und ausgefahren Wurzelpassagen, heute also in Kombination mit Nässe, verstärkt das Gefühl noch.

Am Samstag wären Streckenbesichtigung und Training möglich gewesen. Wahrgenommen habe ich diese Option nicht, da für den ganzen Tag Schneeregen und Temperaturen um den Gefrierpunkt angekündigt waren. Womöglich ein Fehler …

Stage 1: Slip’n’Slide

Czech Enduro Race Jested: Uphill zur Stage 1 im Schnee
Uphill zur Stage 1 im Schnee

Zu Beginn müssen wir zunächst rund 400 Höhenmeter auf 6 Kilometern aus eigener Kraft bewältigen. Dabei fahren wir uns gemütlich warm und genießen den mystisch in Nebel getauchten Wald.

Am Start gibt es eine kleine Schlange. Bis ich meinen Kinnbügel und die Brille zusammengepuzzelt habe, kann es auch schon losgehen. Angesichts der Temperaturen kommt mir das sehr gelegen.

MTB Enduro Race Ještěd 2019: Start Stage 1
Kleine Warteschlange am Start von Stage 1

Zunächst führt die Strecke auf einem breiten Weg Richtung Tal, zweigt dann aber bald auf rutschige Wurzelteppiche ab und verläuft teilweise als Off-Camber mit spitzen Richtungswechseln um die Bäume.

Auf einer dieser Stellen fahre ich auf einen vor mir gestarteten Fahrer auf und überhole. Der Vorsprung währt allerdings nicht lange. Auf einer Wurzel rutscht mir das Vorderrad weg und ich gehe zu Boden, während der andere überholt. Ich komme schnell aufs Rad zurück und überhole abermals. Das dadurch enstandene Gefühl, recht gut unterwegs zu sein, relativiert sich jedoch, als ich wiederum von gleich zwei Fahrern eingeholt werde und auf einer Passage mit Spitzkehren Platz machte.

Insgesamt ist die 2,4 Kilometer lange Stecke recht abwechsungsreich und bietet auf den 375 Tiefenmetern auch schnellere Kurven und einen Gegenanstieg, wobei das Thema „nasse Wurzeln“ durchaus dominant ist. Die erste Stage endet auf einer Wiese in Svetla auf der anderen Seite des Berges bei Trockenheit und Sonnenschein.

Czech Enduro Race Jested: Ziel der Stage 1 bei Trockenheit und Sonne
Ziel der Stage 1 bei Trockenheit und Sonne

Stage 2: Czech Downhill Full

Auf dieser Seite des Berges ist das Wetter eher der Jahreszeit entsprechend und so geht es bei bestem Sonnenschein und malerischem Blick wieder nach oben. Beim meinem Sturz habe ich meine Trinkflasche verloren. Zum Glück führt der Uphill an einem Ausflugslokal vorbei, wo ein halber Liter Kofola für Erfrischung sorgt.

Uphill zu Stage 2 auf der Sonnenseite mit Ausblick

Die zweite Stage startet am Kammweg, der von der Bergstation des Skalka-Lifts zum Jested-Gipfel führt. Wir müssen nun auf der deutlich nasseren Seite parallel zum Lift nach unten. Es wechseln sich wurzelige Waldpassagen mit offenen Passagen ab. Teilweise steht Wasser zwischen den Wurzeln, sodass sich nur ahnen lässt, wie tief das Loch ist. Danach queren wir einen Ski-Hang und fahren ein Stück Forstweg. Im Anschluss wird es nochmal steil. Die tiefen Wurzeln erfordern eine gewisse Grundgeschwindigkeit, um nicht steckenzubleiben. Spätestens hier machen sich die großen Laufräder und der üppige Federweg meines Rads positiv bemerkbar.

Bei Strava existiert ein übereinstimmendes Segment mit der Bezeichnung „Czech DH Full“, es wirkt auch im Gegensatz zur ersten Stage nicht so, als wäre die Strecke für das Enduro-Rennen angelegt worden. Auch ist die durch Flatterband markierte Streckenführung nicht immer eindeutig, hier hätte sich eine Streckenbesichtung durchaus bezahlt gemacht. Das Ziel liegt in der Nähe der Talstation der Seilbahn. Hier befinden sich auch der Start und die Verpflegungsstation, die mich zu einer kurzen Stärkung einladen.

Czech Enduro Race Jested: Stage 2
Stage 2 auf einer der Bike-Park-Strecken

Stage 3: Full Enduro

Für den Uphill zur dritten Stage 3 nutzen wir die Seilbahn. Nach der kurzen Pause fühlt es sich noch kälter an. Oben angekommen, muss ich mich zum Start der Stage erst durchfragen, denn der Startbereich direkt neben der Bergstation ist bereits die 4. Stage, während es für die dritte Stage keine Beschilderung gibt.

Im Vergleich zur vorherigen Stage ist die Stage 3 deutlich weniger ausgeballert. Zu Beginn gibt es wieder die obligatorischen Wurzelpassagen, aber auch Stonegardens und einige Features, beispielsweise einen Felsbrocken, der je nach Linienwahl gedroppt oder aber gerollt werden muss. Die Strecke führt dann auf einen Gegenanstieg auf einer Forststraße. Hier bin ich nicht sicher, ob ich überhaupt noch richtig bin. Anschließend geht es wieder frischen Waldboden hinunter und durch einen abschüssigen Graben, der im Zick-Zack durchfahren werden muss. Zum Schluss folgt ein Sprint auf dem Forstweg bis zum Ziel.

Stage 4: La Spagheta

Zur finalen, vierten Stage geht es wieder per Lift. Die Strecke ist im Wesentlichen mit der Bikepark-Strecke „La Spagetha“ identisch. Sie beginnt mit vielen großen Anliegern direkt unterhalb des Lifts, gefolgt von drei Sprüngen, die überrollt werden können. Weiter geht es auf einem North-Shore-Element, das zu einem Drop einen Felsen herab führt.

Es folgt ein kurzer Abstecher in den Wald. Auf der Hochfahrt hatte ich vom Lift aus beobachtet, wie ein Fahrer über einen Holzkicker über einen Graben springt. Als er jedoch auf der schlammigen Landung fluchend zu Boden geht, entscheide ich mich, den Sprung auszulassen. Dummerweise ist der Graben so tief, dass ich anhalten muss. Dann geht es wieder über die großen Anlieger nach unten. Auch eine Drop-Batterie ist vorgesehen, kann aber umfahren werden. Zum Schluss nochmal ein Wurzelmassaker und ein finaler Schlusssprint.

Am Ende des Tages

Am Ende des Rennens macht sich zunächst das gute Gefühl breit, trotz der schwierigen Streckenverhältnisse verletzungs- und defektfrei durchgekommen zu sein. Allerdings muss ich mir auch eingestehen, dass ich teilweise etwas überfordert war. Es hätte sich sicher gelohnt, die Strecke trotz des Wetters einen Tag vorher zu besichtigen. Ich habe an einigen Stellen Fehler gemacht oder musste gar anhalten, das hätte sich vermeiden lassen.

Die Serie ist laut eigener Aussage auch für Hobby-Fahrer geeignet. Meiner Meinung nach sollte man aber schon fit sein und auch technische Abschnitte, Sprünge und Drops in steilem Gelände bewältigen können. De facto wurden bei Hobby und Race die selben Strecken gefahren, aber in anderer Reihenfolge. Ich vermute, dass die Streckenführung an gewissen Schlüsselstellen geändert wurde.

Das war sicher nicht mein letztes Rennen der Czech Enduro Serie. Ich wurde übrigens 125., da ist noch mehr drin!

Gesamtstrecke: 23.26 km
Gesamtanstieg: 1463 m
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