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Trutnov Trails: Klein, aber fein

Unser Sommer-Roadtrip entlang der Sudeten führt und als erstes nach Trutnov am südlichen Ausläufer des tschechischen Riesengebirges. Wir waren schon einmal im Sommer 2017 hier, damals waren wir aber eher entäuscht. Doch in der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Offenbar auch, weil das Trailbau-Team einige lokale Sponsoren gewinnen konnte, deren Logos nun die Wegmarkierungen zieren.

Vor zwei Jahren gab es keine markierten und gebauten Trails, sondern nur MTB-Spuren im Wald. Am besten ausgebaut war damals der steile Uphill zum Ziegenberg hoch, die Abfahrten waren ziemlich schwer zu finden und das Trailcenter war nicht mehr als eine Garage.

Parkplatz Pod Sedmidomin

Mittlerweile bietet das Waldgebiet zwischen Lhota und Bohoslawice jeweils zwei gut beschilderte blaue, rote und schwarze Abfahrten und einen grünen Uphill-Trail.  Ein weiterer blauer Trail, der „Floutek“, befindet sich bereits im Bau. Startpunkt für die meisten Abfahrten ist der Waldparkplatz „Pod Sedmidomin“ (mit sauberer Dixi-Toilette und Mülleimer) – hier verbringen wir die Nacht.

Kozi Trail: Flowtrail mit Wallride

Mit Flow durch die Heidelbeeren

Wir starten auf dem Uphill-Trail „Pansky Stoupak“, der uns abwechslungsreich zum 661 Meter hohen Gipfel des Ziegenbergs (Kozi Kameny) bringt und nehmen dann den gleichnamigen „Kozi Trail“ nach unten. Der als blau markierte Trail beginnt mit einem leichtem Anstieg und wird dann zunehmend flowiger.

Spaßiger Wallride mit überzogener Warnung

Nach einer Kreuzung mit einem Forstweg beginnt vermutlich die im Internet beworbene „IMBA Flow Section“, denn hier warten erst mehrere pumptrackartige Wellen, die zum doublen verleiten. Es folgt ein großer Wallride, der zum Draufhalten einlädt – und per Warn-Totenkopf gekennzeichnet ist, obwohl hier quasi nichts schiefgehen kann. Im Vergleich zu den restlichen Trails ist es eine eher untypische Sektion, denn so flowig gebaut sind die anderen Trails mit ihren allgegenwärtigen Felsbrocken nicht.

Modrinovy Trail: Panoramablick

Im unteren Verlauf des Kozi Trails nehmen wir einen roten Abzweig und landen ungewollt auf dem Ende des „Modrinovy Trails“, der etwas poltrig durch eine Waldlichtung nach unten führt. Wir kurbeln erneut nach oben und nehmen uns nun den oberen Abschnitt des „Modrinovy Trails“ vor. Der Weg führt uns zunächst an einer Felskante entlang. Von hier hat man eine schöne Aussicht, trailtechnisch fährt es sich aber eher langweilig.

Boulder Trail: Techniktraining auf großen Steinen

Nach etwa der Hälfte des Trails zweigen wir auf den „Boulder Trail“ ab, der größtenteils flach verläuft, aber zwischendurch viele gebaute Elemente aus großen Steinen bietet. Diese Rampen, Steilpassagen und Stonegardens sind insgesamt eher anspruchsvoll und bereiten spielerische Freude, sind aber nicht sehr flowig. Der Trail erinnert ein wenig an die Rychlebske Stezky, kommt aber nicht ganz an deren Qualität heran.

Perfekt in den Trail eingepasste Boulder

Vom Ende des Boulder Trails scheint uns ein Uphill auf der Forststraße kürzer. Diesef ist auf der Karte mit einem E-Mountainbike gekennzeichnet. Vermutlich, weil der Weg so steil ist – wir schieben fast alles.

Boulder Trail

Pernikovy Trail: Steil und schnell

Oben nehmen wir nun den anderen roten Trail, den „Pernikovy“ nach unten. Dieser verläuft erst gemeinsam mit der zweiten schwarzen Abfahrt und beginnt mit einem kurzen Anstieg, geht dann aber in eine steinige, steile S-Kurve über. Einschätzung: Eher schwarz als rot! Danach trennen sich die Trails in rot und schwarz. Aber auch der rote Trail bleibt anspruchsvoll und ist durch viele Wurzeln und Steine, aber auch flowige Kurven mit kleinen Anliegern geprägt. Mit großen Laufrädern poltert es hier deutlich weniger als mit 26“-Felgen. Als wir unten sind, preschen hinter uns drei Jugendliche auf Crosscountry-Rädern den Trail hinunter. Die grellen Trikots verraten: Hier trainiert auch der lokale Radverein. Respekt!

Zum Abschluss des Tages fahren wir nochmal den blauen Kozi Tail, diesmal schon deutlich schneller. Defintiv die spaßigste Abfahrt in Trutnov! Da es im unteren Abschnitt eher langweilig wird, zweigen wir auf ein letztes rotes Stückchen ab, das es nochmal in sich hat und uns fast direkt zum Auto zurück bringt.

Sonst so

Den blauen „Bunkr Trail“ haben wir ausgelassen, da wir den vor zwei Jahren eher langweilig fanden – abgesehen davon, dass wir damals direkt am Wegrand einen riesigen Steinpilz gefunden haben, der allein zwei Personen satt gemacht hat. Der namensgebende Bunker am Rand des Trails ist für manche vielleicht auch interressant, die massiver Stahlbetonkonstruktion hat augenscheinlich einen heftigen Treffer abbekommen.

Fazit

Kozi Trail

Wenn man in der Gegend ist oder den Ausflug mit anderen Spots verbindet – zum Beispiel den Olbrzymy Trails auf der polnischen Seite des Riesengebirges – sind die Trutnov Trails schon empfehlenswert. Man kann hier sicherlich auch mehr als einen Tag lang Spaß haben, sofern man sich nicht daran stört, dass man stets den gleichen Uphill hochkurbelt. Und natürlich sollte man die Trails dann mehrmals fahren. Vor allem Biker, die es eher technisch mögen und sich gern Linien zwischen und über verschieden große Feldbrocken suchen, kommen hier auf ihre Kosten. Über einige Steine kann man gut abziehen, um mehr Schwung mitzunehmen – man sollte aber bedenken, dass manche Brocken gedropt werden müssen. Wer lieber die Bremse offen lässt und es flowig mag, wird wohl nur auf dem „Kozi Trail“ Spaß haben.

Gesamtstrecke: 25.06 km
Gesamtanstieg: 835 m
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